Festpreis fürs Leben

 

Ein Plädoyer für einen entspannten Umgang mit Flatrates – im virtuellen und realen Raum
Britta Heidemann 

Essen. Wenn Sie diesen Text hier lesen möchten überweisen Sie zunächst bitte 29 Cent auf das Konto… -ach quatsch. Sie wären zu Recht empört. Schliesslich haben Sie ja schon für die ganze Zeitung bezahlt. Da ist dieser Text ebenso eingepreist wie die Sportmeldung und die Wohnungsanzeige. Mit Ihrer Zeitung haben Sie eine Informationsflatrate erworben, könnte man sagen – wäre der Begriff der Flatrate nicht so in Verruf geraten. Aber warum eigentlich?

Festpreise verführen, aber: die Augen sind immer grösser

Die Flats sind überall. Wir nutzen sie legalerweise fürs Telefonieren und Surfen, vielleicht fürs unbegrenzte Musikhören mit Simfy oder Spotify, womöglich für den Hörbuch-Download bei Adible. Flats für’s Ebook dürften nur noch eine Frage der Zeit sein. Aber auch jenseits aller Technik scheint der Mensch der

 

Gegenwart bestrebt, sich zum Festpreis zu amüsieren – und sich dem befriedigenden Gefühl hinzugeben, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Dabei stimmt das oft gar nicht. Denn Pauschalurlaube, All-You-Can-Eat-Buffets und die neuerdings moderne Bordell-Flatrate haben eines gemeinsam: die Augen sind immer grösser.

Auch Arbeitsverträge und Ehen sind Flatrates

Einmal "ja" sagen, und schon gilt's für immer: Flatrates gehören zu unserer Kultur

Der moderne Homo Oeconomicus will alles, am besten auf einmal, zum möglichst kleinen Preis. Für seine „Flatrate-Mentalität“ wird er böse beschimpft, dabei ist sie nur menschlich – und in der Gesellschaft stärker verankert, als wir wahrhaben wollen. Was ist denn die Flatrate? Eine Art Vertrag, bei dem man einmal bezahlt, dafür mehrmals etwas bekommt. Der Ausweis bei der Stadtbücherei zum Beispiel – für sehr kleines Geld könnte man hunderte Bücher im Jahr lesen. Der monatliche Beitrag fürs Fitnessstudio. Der Vertrag für die Mietwohnung! Auch zahlt mein Arbeitgeber eine Art Flatrate an mich: einen monatlichen Lohn dafür, dass ich jeden Tag ins Büro gehe und ihm geistige Inhalte überlasse. Und schliesslich liegt sogar jeder Ehe und jeder langfristigen Beziehung ein Dauervertrag zugrunde, in dem in einem komplizierten Wechselspiel Nähe und Vertrauen, Sockenwaschen und Müllrunterbringen aufgewogen werden.

Dies sind alles Flatrates, die wir prima finden. Deren schleichendes Verschwinden wir in unserer Single- und Projekterepublik Deutschland gar beklagen. Schon komisch: Während sich die geistige Elite zunehmend als Kreativwirtschafts-Tagelöhner verdingen muss, während dauerhafte Arbeitsverhältnisse seltener werden und immer mehr Menschen im gebärfähigen Alter die monogame Zweisamkeit als uncoole Idee gar nicht erst erwägen – boomen die Flatrates.

Heute sind Telefonverträge oft langfristiger, verlässlicher als Beziehungen. Das spricht nicht gegen Telefonverträge!

Kurz: Flatrates sind nichts, was man fürchten müsste. Eine Kulturflatrate als Pauschale dafür, dass man Musik, Texte und Bilder aus dem Netzt lädt, nutzt, tauscht, könnte eine Alternative zur Illegalität sein. Man könnte die Kulturflatrate sogar allen Internetnutzern automatisch in Rechnung stellen: nach dem Prinzip der Solidargemeinschaft zahlen Fussball-Ignoranten ja schliesslcih auch die gigantischen Polizeieinsätze in den Stadien – mit ihren Steuern. Gegner der Kulturflatrate führen gerne an, dass deren Umsetzung nicht praktikabel sei – wer bekommt wie viel vom Kuchen ab, wie rechnet man das aus? Dabei gibt es in der alten, analogen Welt längst ganz ähnliche Abgabe-Modelle: Zum Beispiel zahlt jeder, der einen CD Rohling oder einen USB-Stick kauft, schon heute eine Urheberrechts-Abgabe an die Hersteller – weil es sich ja hier um Hilfsmittel zum Kopieren handelt.

Die Kulturflatrate wäre eine gerechte Lösung

An die Künstler verteilt werden diese Abgaben von der „Zentralstelle“ für private Überspielungsrechte“, gegründet 1963. Dank ihr konnten Jungendliche einst völlig legal Mixtapes aus Radiomitschnitten zusammenstellen – während sie heute im Internet für ganz ähnliche, jugendtypische Impulse des Sammelns und Tauschens und Sichprofilierens unversehens zu Raubkopierern werden können. Auch das hätte mit der Kulturflatrate ein Ende.

Es wird Zeit, dass wir die Flatrate wieder hoch halten. Haben Sie eigentlich schon ein Zeitungs-Abo?

Quelle: Westdeutsche Allgemeins Zeitung 28. April 2012

 

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Guerilla Gärtner mit Sozialer Botschaft

Londons Gärtner der Schlaglöcher
Steve Wheen setzt Narzissen ins Betongrau und pflanzt Tulpen in Strassenschluchten. Seine Idee zieht weltweit Kreise.
Jasmin Fischer

London. Jeder hasst sie, doch einer sieht in ihnen eine zauberhafte Chance: Gemeine felgenfressende Schlaglöcher kultiviert ein Asphalt-Charmeur im Osten der Hauptstadt seit Jahren als Blumenbeete. Heimlich bepflanzt er die Strassenkrater, arrangiert in ihnen kleine Traumwelten aus Mini-Möbeln und verschwindet leise. Weil die Idee weltweit für Furore sorgt, hat sich Steve Wheen, ein 34-jähriger Australier, nun geoutet.

„Manche glauben, dass an den bepflanzten Stellen einer gestorben ist“

Es war die Sehnsucht nach Opas Narzissen, die Wheen vor fünf Jahren zum ersten Mal mit Grünzeug und Blumenerde vor die Tür gelockt hat. Für ein Uni-Seminar sollte er ein Mini-Projekt mit einem Blog begleiten. Lange musste der Social-Media.-Experte und Gartenliebhaber nicht nachdenken: Heimlich buddelte er ein paar bunte Blumen in den krümelnden Asphalt Londons und fotografierte vom Café aus die Reaktion der Passanten. „Das Blog bekam plötzlich Tausende Klicks aus der ganzen Welt“, erinnert sich Wheen sichtlich amüsiert. Wegen der netten Resonanz hat er es nicht übers Herz gebracht, aufzuhören – also wächst und gedeiht die Aktion Schlagloch-Garten rasant weiter.
„Man spürt, wie sehr Londoner Blumen in ihrer Betonwüste vermissen“, so Wheen, „ich bringe ihnen die Natur zurück in die Stadt.“ Er selbst wohnt im urban-verlotterten Shoreditch im Osten Londons zur Miete – ohne Vorgarten, ohne Balkon, aber mit einer Schlaglochpiste vor der Tür. Gelbe Narzissen pflanzt er am liebsten, weil sie im tristen Betongrau am besten leuchten. Beim letzten Schneefall hat er zu roten Tulpen gegriffen und einen winzigen Puppenschlitten und Skier daneben gestellt. Andere Strassenschluchten überbrückt er mit Rasen, malt ein Tennisfeld ein, spannt ein Netz auf und lässt Miniaturschläger und –Rasenmäher zurück.

 Soziale Botschaften

Lilliput-Szenen, die die Fantasie vorbeieilender Grossstädter aus Wesentliche lenken. Schlaglochgeplagte in Japan eifern Wheen bereits nach; demnächst ist er sogar eingeladen, den Mailänder Bröselasphalt zu verschönern. 50 Schlaglochgärten hat er in London arrangiert – mit teils verblüffenden Reaktionen: „Manche glauben, dass an den bepflanzten Stellen jemand gestorben ist“, sagt er, „andere sehen sie als Kommentar zu den städtischen Finanzen, als Zeichen globaler Erwärmung oder Protest gegen die Autozentriertheit unserer Gesellschaft.“ Längst nutzt der Guerilla-Gärtner die grosse Aufmerksamkeit für soziale Botschaften.

Als vergangenen Sommer am Olympia-Part ein riesiges, neues Einkaufszentrum eröffnete, verfugte er in der Nähe ein paar grobe Risse mit Gras, legte eine Karodecke mit winzigem Picknickkorb drauf und setze eine chinesische Lampionblume daneben. „Weil wir uns angesichts des neuen Konsumtempels Gedanken darüber machen sollten, wie wir uns entspannen.“

Einige sehr kluge Köpfe hatten die Botschaft gleich richtig entschlüsselt. Für sie ist Wheen – in Anlehnung an den mysteriösen Londoner Graffitikünstler – ein „Banksy für Blumen“. Andere, wie die jüngst geschlossene Murdock-Postille „News of the World“, haben ihn hingegen als „autistischen Blödmann mit zu viel Zeit“ beschimpft. Und natürlich gibt es auch in England die ewigen Bedenkenträger, die in erblühenden Strassenkratern allein ein Sicherheitsrisiko für die Leute sehen. Was, wenn jemand abrupt bremst, um eine dieser frischen Kunstaktionen nicht zu überfahren?

 KLEINE GÄRTEN
Buch zum Schlagloch

Steve Wheen arbeitet derzeit an der Dokumentation „Kleines Buch der kleinen Gärten“ – und an einer Installation zum Frühlingsanfang. Vorstellen will er einen besonders schönen Garten, der „in einem sehr prominenten Schlagloch“ eingerichtet ist. Weiter Informationen im Internet: www.thepotholegardener.com

 Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 27. März 2012

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Zusammen ist man weniger alt

„Und wenn wir alle zusammenziehen?“

Film-Tipp
Altersheim muss nicht sein. Stars wie Jane Fonda, Pierre Richard und Geraldine Chaplin gründen im Kino eine Rentner-WG

Martina Schürmann, Essen.
Es ist bemerkenswert, dass ausgerechnet ein Land,, dessen Volk letzten Umfragen zufolge zu den pessimistischsten in Europa zählen soll, gerade die zuversichtlichsten Filme dreht. Nach dem Durchmarsch von „Ziemlich beste Freunde“, der in Deutschland als der erfolgreichste französische Film aller Zeiten mehr als sieben Millionen Zuschauer ins Kino lockte, initiiert Stéphane Robelin nun die Gründung einer Senioren-WG: „Und wenn wir alle zusammenziehen?“

„Brüderlichkeit als Ausweg aus allen Sinn- und Lebenskrisen“

Auch hier geht es um Krankheit, Pflege, Demenz und Angst vor Einsamkeit. Aber Regisseur Robelin macht daraus eine herzerwärmend-humorvolle und lebensbejahende Geschichte. Pointiert, aber nicht platt, schrullig, aber nicht albern. Im Grunde scheint das derzeit das französische Rezept zu sein, dem Leben die Last zu nehmen: Fraternité, Brüderlichkeit, als Ausweg aus allen Sinn- und Lebenskrisen.

Einen Deutschen gibt es auch in diesem Kreis. Und es ging bei der Besetzung sicher nicht nur um deutsch-französische Freundschaft, sonder auch ein jüngeres Publikum für diese sehenswerte Ü70-Komödie zu gewinnen. Daniel Brühl spielt den Studenten Dirk, der sich neben dem Hundeausführen auch als Zuhörer und Viagra-Beschaffer in der Rentner-Runde verdient macht.

Stéphane Roblin hat dafür ein Allstar-Team vor die Kamera geholt, das an sich schon sehenswert ist. Pierre Richard, vor Jahren Mal der grosse Blonde mit dem Schwarzen Schuh, stolpert nun über seinen eigenen Hund und vergisst bisweilen nicht nur, das Badewasser abzustellen. Jean (Guy Bedos) ist ein noch heissblütiger Rentner-Rebell, der sich altersdiskriminiert fühlt, nachdem er bei einer Demo gegen Abschiebung nicht verhaftet wird.

Und den Schwerenöter Claude (Claude Rich) ereilt der Herzanfall ausgerechnet auf dem Weg zu seinem Prostituierten-Besuch. Noch im Pflegeheim machen seine alten Kumpels die Sache mit der Senioren-Kommune klar.

Und der Sex im Alter

Zudem reden die agilen Alten hier keinesfalls nur über Krankheiten und den Besuch der Enkelkinder, sondern auch über Themen wie Eifersucht und Sex. Jane Fonda, der man ansehen kann, dass ihr Aerobic nicht vergebens war, schwebt als Jeanne trotz unheilbarer Krankheit fast mädchenhaft durch den Park, während Geraldine Chaplins resolute Annie das Hausfrauen-Regiment in der grosszügigen Villa führt, die den gediegenen Rahmen vorgibt für dieses Wohnexperiment.

So kann man diesen im Ton ungemein leichten, aber inhaltlich doch ziemlich ernst zu nehmenden französischen Komödien vielleicht nur vorwerfen, dass sie drängende Themen wie Alter und Krankheit in einem nicht allzu realistischen goldenen Rahmen verhandeln. Dass alte Freunde aber nun mal das Kostbarste im Leben sind, das würde man aber auch ohne Villa mit Pool jederzeit unterschreiben.

 Der Produzent
Hilfe aus Deutschland
„Und wenn wir alle zusammenziehen?“, das zweite Projekt des Filmemachers Stéphane Robelin (36), wäre fast an der Finanzierung gescheitert. Hilfe kam vom deutschen Produzenten Peter Rommel, der für Kinoerfolge wie „Wolke 9“ oder „Sommer vom Balkon“ steht.

Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung 04. April 2012

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Coaching mit Naila Arnet

Naila Arnet steht vom 19. bis 22. April für Einzelcoaching im Selfness Hotel Eiger auf Anfrage zur Verfügung (90 Minuten für 210 CHF). Terminvereinbarungen können direkt über das Selfness Hotel Eiger erfolgen (033 854 31 31). Naila Arnet zeichnet sich ganz besonders durch ihre warmherzige und einfühlsame Art aus. Ihre Beobachtungen und Schlussfolgerungen im Coaching sind oftmals überraschend, und immer tiefgründig und sehr nachhaltig hilfreich. Für diejenigen, die an sich selbst arbeiten möchten eine tolle “Entwicklungshilfe”!!(BF)

Steckbrief Naila Arnet:
Wir alle befinden uns in einer Welt, die zunehmend komplexer wird und sich beständig verändert. In diesem  Zusammenhang ist der einzelne Mensch ebenfalls aufgefordert,  sich zu verändern. Eine vertiefte Eigenreflexion und eine sichere Entscheidungsfindung sind gefragt. Mithilfe eines Coachings können diese Fähigkeiten zum Quell für Leichtigkeit und Freude im Beruf und privaten Leben werden.  

Ich begleite seit 20 Jahren Menschen auf ihrem Weg zu neuen Sichtweisen, mehr Erfüllung und Erfolg. Dabei haben mir meine Ausbildungen als Dipl. Sozialpädagogin, Heilpraktikerin, Körpertherapeutin, Systemischer und Gestalt Coach, ein vertieftes Verständnis für das menschliche Sein gegeben.

Naila Arnet, Coach für Business und Mensch

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Kinder unter Leistungsdruck

Studien zeigen, was sich Sechs- bis Zwölfjährige wünschen – vor allem mehr Zeit zum Spielen

Julia Emmrich

 

Berlin. „Wir lassen uns von euch doch nicht die Laune verderben“ So sind Kinder. Klammern sich ans Glück, Leben vom Optimismus, glauben an die Zukunft. Doch der Druck, unter dem die Erwachsenen stehen, kommt längst bei ihnen an. In Form von Sorgen, seelischer und körperlicher Gewalt. Zwei neue Studien zeigen, wie sich Sechs- bis Zwölfjährige heute fühlen – zwischen Lebensmut und wachsenden Ängsten.

Über 700 Schulkinder zwischen sechs und zwölf Jahren hat das Münchener Forschungsinstitut Iconkids & Youth befragt. Die wichtigste Zutat für ein glückliches Leben klingt fast zu lebensweise, um aus Schülermund zu kommen: „Gesund sein“ wollen 93 Prozent der Kinder.

„Ich wünsche mir, dass meine Eltern mir mehr zutrauen“

Ebenfalls sehr wichtig für die Sechs- bis Zwölfjährigen sind Eltern, die Zeit für sie haben und Freunde, die ihnen nicht in den Rücken fallen. Drei von vier Kindern wünschen sich heute vehement, „dass Kinder nicht so gemein zueinander sind“ – ein Anstieg von 50 Prozent gegenüber 2006. Neun von zehn Kindern finden es wichtig, „dass jeder Mensch mindestens einen guten Freund hat“.

In ihren Träumen für die Zukunft mischen die Sechs- bis Zwölfjährigen Bullerbü mit Glamour: Neun von zehn Kindern träumen von einem „Haus mit Garten und vielen Tieren“ und wünschen sich dazu „viel Geld für Autos und Reisen“. Sie ahnen längst, dass solche Ziele nicht ohne Leistung zu erreichen sind – aber bitte nicht auf Kosten der Kindheit! Jeder Zweite klagt über Druck durch die Schule: „Vor lauter Lernen habe ich kaum noch Zeit für andere Dinge, die ich gerne mache“. Zum Beispiel? Immerhin zwei Drittel wünschen sich „mehr Zeit zum spielen“. Nahezu alle Kinder halten ihr Eltern für „die besten Eltern, die ich mir vorstellen kann“. Dennoch ist ihnen das Leben manchmal zu eng. Zwei von drei Kindern sagen: „Ich wünsche mir, dass mir meine Eltern mehr zutrauen und ich mehr selbst machen darf.“ Gleichzeitig wollen deutlich mehr Kinder schnell erwachsen werden, als noch vor fünf Jahren. Axel Dammler von „Iconkids & Youth“ hat die Eltern als Verursacher im Verdacht. Diagnose: überbehütende Mütter und Väter. Kinder bräuchten zum Grosswerden Risiken und Abenteuer, Kletterbäume und Unterholz. Und Bereiche, wo die alles kontrollierenden „Helikopter-Eltern“ keinen Zugriff hätten. Übertriebene Fürsorge hier, Kontrollverlust dort: Noch immer muss die Hälfte der Kinder in Deutschland einer neuen Forsa Studie zur Folge damit rechnen, gelegentlich geschlagen oder geohrfeigt zu werden. Zehn Prozent der befragten Eltern geben gelegentlich einen Klaps auf den Po, immerhin vier Prozent verprügeln ihre Kinder regelrecht. Viel häufiger allerdings sind „körperlose“ Strafen: Neiderbrüllen, auf den Tisch hauen, das Kind schütteln. Besonders quälend: ein Viertel der Eltern bestraft seine Kinder durch Liebesentzug, stunden- oder sogar tagelanges Schweigen.

Stress führt zu Gewalt

Häufigste Ursache für den Gewaltausbruch ist der Umfrage zu Folge Stress im Leben der Eltern und ungezogenes Verhalten der Kinder: In der Hälfte der Fälle seien die Kinder „unverschämt“ gewesen, öfter auch „ungehorsam“ oder „aggressiv“ gegen Eltern und Geschwister. Väter sind laut Studie nicht gewaltbereiter als Mütter, Eltern mit hohem Bildungsgrrad nicht weniger auffällig als solche mit niedrigem. Bemerkenswert ist allerdings, dass Eltern mit Abitur etwas häufiger Ohrfeigen erteilen und Eltern mit Hauptschulabschluss eher auf den Po schlagen.

Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 13. März 2012

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Magic Johnsons Lebenswunder

 

Vor 20 Jahren hat sich der
Basketball-Star
 mit HIV infiziert.
Aus dem Korbjäger wurde ein leidenschaftlicher Aufklärer

Dirk Hautkapp Washington.Als seine Teddybär-Augen neulich beim Allstar-Spiel in Orlando in Grossaufnahme auf dem Videowürfel unter der Hallendecke erschienen, ging ein Raunen durch die Basketball-Arena. Dazu war kein No-Look-Pass nötig, jene unerreichte Finesse, dem Gegner – ohne hinauszusehen – den Ball durch die Nase zu spielen, für die er bei den Los Angeles Lakers berühmt war. Earvin Johnson reicht ein einziges hinreissendes Lachen. Breit wie ein Fussballtor. Und jeder Saal ist seiner. Immer noch.

Gott hat auf Magic Johnson aufgepasst.
Eine angeborene Gabe, ohne die der 2.06 Meter grosse ewige Junge nicht wäre, was er ist. Einer der grössten Basketballer aller Zeiten und seit 20 Jahren der bekannteste HIV-Patient der Welt. „The Announcement“ (die Ankündigung), eine Dokumentation des US-Sportkanals ESPN liefert jetzt zum ersten Mal bis dato seltene Einblicke in das Leben eines Mannes, der völlig zu recht „Magic“ gerufen wird.

In Amerika gibt es Millionen Menschen, die wissen, wo sie waren, als John F. Kennedy starb. Oder was sie am 07.11.1991 gemacht haben. Jenem Tag, als ein 32-jähriger Superstar der Profi-Liga NBA vor die Mikrofone im ehrwürdigen Forum von Inglewood trat und bekannte, durch ungeschützten Sex eine tödliche Krankheit erlangt zu haben: HIV. Damals gleichbedeutend mit einem Todesurteil.

„Wir dachten alle, dass Magic bald sterben würde“, erinnert sich Team-Kollege James Worthy. Magic dachte nicht daran. Nicht nach aussen. „Ich werde es besiegen. Ich werde Spass haben. Wir sehen uns wieder“, erklärte er bei seinem Rücktritt. Schockzustand. Ganz Amerika sah zu. „Es“, das bis dahin allein im Schwulen-Milieu vermutete Virus, hatte über Nacht die heterosexuelle Spassgesellschaft Amerikas aus ihrer Gleichgültigkeit gerissen.

Die besten Ärzte
Johnson, Arbeitersohn aus einer zwölfköpfigen Familie aus Michigan, stellte fortan seine in fünf Meisterschaften erwachsene, immense Popularität in den Dienst der vorbeugenden Sache. Aids-Aufklärer statt Korbjäger. Herzerweichend die Szene, als er in einer Fernsehsendung einem weissen Mädchen Mut macht. Die Kleine hatte auch das Virus und war in ihrer Klasse isoliert. „Behandelt sie wie alle anderen auch“, rief Magic in die Kamera. Und seine Worte trockneten die Tränen.

An der Seite seiner unaufdringlichen und ungemein starken Frau Cookie, ohne die er nach eigenen Worten heute tot wäre, konsolidiert der Sympathieträger sein Leben, hält die Krankheit mit Medikamenten und Sport in Schach. So erfolgreich, dass Mini-Comebacks möglich werden, die Fans noch heute einen Kloss im hals verursachen: das NBA-Allstar-Spiel kurz nach dem HIV-Geständnis. Der Auftritt von „Dreamteam Amerika I“ bei Olympia  92 in Barcelona. Seine Rückkehr zu den Los Angeles Lakers 1996, wo er bis zum Abschied noch 32 Mal das Trikot mit der Nr. 32 überstreift.

Aber auch die aus Unwissenheit gespeisten Demütigungen blendet der Film nicht aus. Karl Malone, Star der Utah JaBezz, weigerte sich, nach Barcelona gegen Johnson in der NBA zu spielen, aus Angst sich anzustecken. Im Interview bekundet er heute kleinlaut. Hochachtung vor dem Mann, der sich nach den Worten seines Agenten Lon Rosen die „innere Furcht vor der Krankheit“ nie hat anmerken lassen. Freunde wie chris Rock und Arsenio Hall, bekannte Fernseh-Entertainer, sprechen voller Bewunderung von dem unbeirrbaren Überlebenswillen ihres Vorbilds.

Earvin Magic Johnson besitzt heute ein prosperierendes Firmen-Imperium aus Restaurants, Fitness-Centern, Kinos und einem Fernsehsender. Er gehört zu den wichtigsten Investoren, wenn es um die Wiederbelebung innerstädtischer Brennpunkte geht. Da, wo HIV und Aids in Amerika zuhause sind. Dass er Glück hatte, dass ihm sein Ruhm von Anfang an die tür zu den besten Ärzten öffnete, verschweigt der 52-jährige nicht. Das Privileg ist ihm Verpflichtung, in Würde alt zu werden. Pat Riley, sein früherer Trainer in L.A., weiss den Grund. „Gott hat auf Magic Johnson aufgepasst.“ Er wird gebraucht.

 AIDS Infektionen
HIV hat nach Schätzungen in den letzten 25 Jahren weltweit 25 Millionen Leben gefordert. Etwa 33.4 Millionen Menschen sind auf der Erde mit dem Virus infiziert. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt seit 1998 stetig und lag 2008 bei9 2.7 Millionen Menschen. In Deutschland leben etwa 73.000 Menschen mit HIV, davon 80.5 Prozent Männer. 2011 kam es nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zu 2700 neuen HIV Infektionen in Deutschland.
Quelle: WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung), 15. März 2012

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Buchempfehlung von Edith Amacher

Starke Gedanken
Der Weg zu einem glücklichen, gesunden und erfolgreichen Leben (Bruno Tanner)

Auszug aus dem Vorwort:
Dieses Buch vermittelt dir die Gesetzmässigkeiten des Mentalen Trainings und zeigt dir auf, wie du starke Gedanken sofort erfolgreich aufbauen kannst. Es macht dich darauf aufmerksam, wo du dir mit unbewussten Glaubenssätzen möglicherweise selber im Weg stehst.
Mentale Stärke ist mehr als nur positives Denken. Mentale Stärke ist ziel- und lösungsorientiertes Denken. Mental starke Personen haben ein Erfolgsbewusstsein, das die Überzeugung des Erfolgs und den Mut zu den notwendigen Handlungen in sich trägt.
Es geht in diesem Buch um (mehr) Selbstvertrauen und (weniger) Fremdbestimmung und damit um (mehr) Freiheit und (weniger) Abhängigkeit. Ich freue mich dir zu zeigen, wie du in Zukunft ein stimmiges und erfolgreiches Leben führen kannst.
Allein die Wahl deiner Entscheidung beeinflusst deinen Erfolg.

Auszug aus dem Inhalt:
Zielformulierungen sind Entscheidungen. Wer sein Ziel formuliert hat, hat damit auch eine Entscheidung getroffen. Du entscheidest dich immer. Wenn du nicht entscheidest, hast du entschieden, NICHT ZU ENTSCHEIDEN.
Stimmige Ziele sind mit Liebe getroffene Entscheidungen. Und LIEBE ist die Brücke zu deinem und dem Herzen der Mitmenschen. Lass Immer Eine Brücke Entstehen, entscheide aus dem Herzen.
Der Glaube ist die entscheidende Kraft. Der Mensch handelt immer nach seinem Glauben und will seine Überzeugungen bestätigen. Erfolgreiche Menschen glauben an den Erfolg. Sie sind überzeugt, dass sie das Ziel erreichen werden. Selbstvertrauen ist der Glaube an sich selbst und die eigenen Fähigkeiten. Vertrauen beinhaltet den Glauben, dass es gut kommt. Vertrauen ist positiver Glaube.
Zwischen der Zielvorstellung und dem Ziel liegt der Weg. Mental starke Menschen wollen nicht nur tun, was zu tun ist, sondern sie tun es wirklich. Wissen und Können bewirken noch nichts, denn erst das Tun verändert die Welt.
Wenn du liebst, darfst du nicht erwarten, dass auch du geliebt wirst. Trotzdem solltest du den Mut haben, dem anderen deine Liebe zu zeigen und sie nicht aus Angst vor Ablehnung zurückhalten. Es ist dein Beitrag zu einer lichtvolleren und wärmeren Welt.
Selbstliebe hat nichts mit Egoismus zu tun. Wenn du dich selbst liebst und zu dir liebevoll bist, bist du zufrieden und von deiner Zufriedenheit profitiert das ganze Umfeld.
Lachen mobilisiert deine Selbstheilungskräfte. Lachen ist die beste Art zu entspannen. Mit Humor geht vieles leichter. Und sollte dir einmal nicht ums Lachen sein, dann denke daran, das bewusste Aufsetzen eines lachenden Gesichts löst über das Nervensystem im ganzen Körper viele positiven Reaktionen aus. Humor bedeutet, auch über sich selbst lachen zu können.

Der mental starke Mensch:
nimmt seine Gefühle wahr und hat den Mut, diese Impulse der Seele mit Hilfe des Verstandes auch zu leben. Mentale Stärke kommt von Herzen.
…weiss, dass Schlaf und Entspannung ein enormes Heilungspotenzial haben und schenkt sich selber die nötige Zeit.
… weiss dass er verantwortlich ist für das, was er tut, aber auch für das, was er unterlässt.
… ist ausdauernd und beendet eine Sache erst, wenn sie erfolgreich ist.
… weiss, dass Misserfolge lediglich Zwischenergebnisse auf dem Weg zum Erfolg sind.
… sucht nicht nach dem Sinn des Lebens, sondern gibt dem Leben durch sein Handeln einen Sinn.

Kommentar von Edith:
Dieses wunderbare Buch ist sehr schön aufgemacht. Es hat viele Fotos mit Sprüchen. Es lässt sich leicht lesen und ist sehr verständlich geschrieben. Der Autor ist ein Schweizer und bietet in seiner Praxis für Atlaslogie, Gesundheits- und Lebensberatung seinen Klienten Hilfe zur Selbsthilfe an.
www.atlaslogie-tanner.ch

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Der letzte Wunsch

Die „Lebensende-Klinik“ will Menschen beim Sterben helfen. Kritiker nennen es Tod auf Bestellung
Annika Fischer / WAZ Donnerstag, 01. März 2012
Den Haag / Essen

Jan van Kronenburg wollte nicht den Krebs entscheiden lassen. Einmal noch wollte er selbst bestimmen über sein Leben – und dessen Ende. Also liess der Mann aus Liempde bei Eindhoven seinen Hausarzt kommen und sich von ihm beim Sterben helfen. Das war im August, und van Kronen burg hatte in all seinem Unglück Glück: Der Doktor kannte ihn und das Gesetz, das in den Niederlanden die aktive Sterbehilfe unter bestimmten Voraussetzungen nicht bestraft. Der Mann erfüllte den Wunsch seines Patienten.

„Mobiles Team klingt, als ob du eine Autopanne hast und der ADAC kommt“

An die 2’500 Mitbürger wählen jährlich dieses Schicksal, bis zu 10’00 aber bleibt dieser Weg versperrt. Das zumindest schätzt die Niederländische Vereinigung für ein Freiwilliges Lebensende (NVVE) in Den Haag. „Oft verweigern Ärzte die Sterbehilfe“ weiss Direktorin Petra de Jong, „weil sie nicht wissen, was erlaubt ist, und juristische Folgen fürchten.“ Oder sie lehnen Euthanasie aus religiösen Gründen ab. Da der Gesetzgeber im Nachbarland den Bürgern zwar die Entscheidung zwischen Leben und Tod überlässt, nicht aber die freie Arztwahl, eröffnet die NVVE nun ihre „Levenseindekliniek“.

Noch hat das „Lebensendekrankenhaus“ keine eigenen Betten, dafür können Betroffene ab heute mobile Teams nach Hause bestellen. Ein Mediziner und eine Pflegekraft bringen dem Patienten den Tod. „Aussichtslos und unaushaltbar“ muss sein Leiden dafür sein, sein Wille zu sterben unabänderlich – so will es das Gesetz, und so will es auch die NVVE halten.

„Tod auf Bestellung“ sei das nicht, „man kann nicht einfach anrufen und wir kommen, um zu töten“, sagt Petra de Jong, selbst Lungenärztin. Vorgeschaltet ist ein ausführliches „Screening“ und auch der enge Kontakt mit dem behandelnden Arzt.

Ausweg Selbstmord
Von „Todesengeln“ reden Kritiker nun, und von „Mordkommandos“. Ein Parlamentarier klagte in der zustimmenden Zweiten Kammer: „So ein mobiles Team klingt, als ob du eine Autopanne hast und der ADAC kommt“ Lode Wigersma, Chef der Königlichen Ärztevereinigung stösst sich am Namen: Der wecke die Erwartung, Sterbhilfe zu bekommen, wenn man lebensmüde, nicht aber krank sei.

Noch ist lebenssatt zu sein auch vom liberalen niederländischen Euthanasie-Gesetz nicht gedeckt. Strittig sind darin auch psychiatrische Erkrankungen sowie Demenz. Die aber schliess die NVVE in ihrem Konzept ausdrücklich mit ein. Vor zwei Jahren, rechnet Petra de Jong vor, hätten 50 von ihrem Arzt abgewiesene Psychatrie-Patienten Selbstmord begangen.

Menschen, die Sterbehilfe wollen, aber nicht bekommen, weiss de Jong, wählten zudem „manchmal grausame Methoden der Selbsttötung“. Insgesamt zählen die Niederlande voriges Jahr 1’500 Suizide.

„Man darf die Menschen nicht allein lassen“, findet deshalb auch Gesundheitsministerin Edith Schippers. Sie setzt zwar bevorzugt auf Sterbehilfe durch den Hausarzt. Wenn er aber aus prinzipiellen Gründen nicht mitarbeiten will, könne der Arzt den Kranken an die Klinik oder ein ambulantes Team verweisen. Sechs dieser Teams beginnen nun mit der Arbeit, ein Vollzeitjob wird es nicht. Einige der Ärzte sind bereits pensioniert, Pflegerinnen arbeiten in der Teilzeit. Anmelden kann sich jeder, der in den Niederlanden krankenversichert ist – obwohl die Versicherung gar nicht zahlt. Noch laufen die Verhandlungen, vorerst übernimmt eine Stiftung die Kosten für Hausbesuche, Beratung und die todbringenden Medikamente-Cocktails, aus Spendenmitteln.

„Ein froher Ort“
Mitte des Jahres sollen im Gebäude der NVVE Sterbezimmer entstehen.. Ein „froher Ort“ soll das trotz allem werden, hofft Direktorin Petra de Jong. „Ich glaube, dass viele Menschen sehr glücklich wären, wenn sie wüssten, dass sie auf eine Weise sterben dürfen, die zu ihnen passt.“

Jan van Kronenburg bekam diesen letzten Wunsch erfüllt, sein allerletzter aber wurde ihm verwehrt. Der Pfarrer weigerte sich, den 59-jährigen auf dem Gemeinde-Friedhof zu beerdigen. Begründung des Katholiken: „Sterbehilfe verstösst gegen die göttliche Schöpfung“.

LESERAUFRUF:

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Wo keine Glukose ist, da ist auch kein Wille

Gute Vorsätze verbrauchen Energie.
Wenn wir diszipliniert sein müssen, greifen wir zu Süssigkeiten. 

Wo keine Glukose ist, da ist auch kein Wille.
Was stärkt, was schwächt unsere Selbstbeherrschung?

Wenn die Willenskraft mehr als eine Metapher ist und hinter dieser Tugend tatsächlich eine Kraft steckt – woher kommt diese dann? Die Antwort ergab sich eher zufällig aus einem Experiment, das durch Mardi Gras inspiriert wurde. Mardi Gras ist der Faschingsdienstag, der Tag vor dem Aschermittwoch, an dem die Menschen noch einmal ihren Gelüsten freien Lauf lassen können, ehe die Fastenzeit beginnt. Wenn die Menschen vor Beginn der Fastenzeit noch einmal entspannen, sammeln sie vielleicht die Willenskraft, die notwendig ist, um die Wochen der Fastenzeit durchzustehen.

Um diese These zu testen, rührten wir leckere Milchshakes mit Fruchteis an und verteilten sie in der Pause zwischen zwei Experimenten an Versuchteilnehmer. Eine Vergleichsgruppe musste in der Pause dagegen langweilige vergilbte Zeitschriften lesen oder bekam alternativ ein fades, fettarmes Mixgetränk vorgesetzt, das die Teilnehmer sogar noch widerlicher fanden als die Zeitschriften. Wie vorhergesehen, schien der Milchshake die Willenskraft der Teilnehmer aufzupäppeln. Sie brachten mehr Selbstdisziplin auf als diejenigen, die in den alten Magazinen blättern durften. So weit, so gut. Aber interessanterweise zeigte das fade Mixgetränk dieselbe Wirkung wie der leckere Milchshake, was bedeutet, dass man sich nicht verwöhnen muss, um Willenskraft zu entwickeln. Warum hatte auch der fade Shake gewirkt?

Wenn es nicht der Genuss war, waren es vielleicht die Kohlehydrate, die das Getränk enthielt? Ernährungswissenschaftler führten Versuche an Grundschulen durch. Die Kinder einer Klasse sollten das Frühstück zu Hause ausfallen lassen. Als sie in der Schule ankamen, erhielte die Hälfte, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurde, ein ordentliches Frühstück, die andere Hälfte nicht. In den ersten Unterrichtsstunden lernten die Kinder, die gefrühstückt hatten, besser und verhielten sich unauffälliger. In der Pause bekamen die Kinder ein gesundes Pausenbrot, und die Unterschiede verschwanden.

Dass Kohlehydrate, aus denen der Körper Glukose gewinnt, tatsächlich die magische Zutat sind, wurde in anderen Experimenten nachgewiesen, in denen der Blutzuckerspiegel von Testpersonen vor und nach einer einfachen Aufgabe gemessen wurde. Zum Beispiel sollten sie sich ein Video ansehen, in dem unten immer wieder andere Wörter eingeblendet wurden .Ein Teil der Versuchspersonen wurde aufgefordert, die Wörter zu ignorieren, ein anderer erhielt keine Anweisungen und sollte sich nur entspannt das Video ansehen. Danach wurden die Werte erneut gemessen. Bei den entspannten Zuschauern waren sie gleich geblieben, aber bei den Zuschauern, die versuchten, die eingeblendeten Wörter zu ignorieren, war er deutlich gesunken. Eine scheinbar kleine Übung zur Selbstdisziplin bewirkte einen spürbaren Rückgang der Hirnnahrung Glukose.

Wo keine Glukose ist, da ist auch kein Wille. Dieses Muster zeigte sich immer wieder und in unterschiedlichsten Situationen. Wenn der Körper für die Selbstdisziplin Glukose verbraucht, bedeutet das dann, dass er Hunger nach Süssem bekommt? Die Antwort ist Ja – und das ist die schlechte Nachricht für all diejenigen, die ihre Selbstdisziplin mobilisieren wollen, um ihren Konsum von Süssigkeiten einzuschränken. Je mehr wir uns im Alltag beherrschen müssen, desto grösser wird unser Appetit nach Süssem. Nicht nach Essen ganz allgemein, sondern nach Zucker. Versuchsteilnehmer, die an einer Übung zur Ego-Erschöpfung teilgenommen haben, greifen danach eher zu süssem als zu salzigen Häppchen. Selbst wer nur erwartet, sich in Kürze beherrschen zu müssen, scheint Hunger auf Süsses zu bekommen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind allerdings keine Entschuldigung, sich mit Süssigkeiten vollzustopfen. Der Körper verlangt zwar nach Süssem, weil das sein Energiebedürfnis am schnellsten befriedigt, doch zuckerarme, proteinhaltige und andere nahrhafte Lebensmittel erfüllen denselben Zweck (wenn auch etwas langsamer).

 Roy Baumeister, John Tierne
Psychologie heute, Februar 2012

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Zitat von John Lennon

Gefunden und gepostet von Britta Saphira Brutscher:
“Als ich 5 Jahre alt war, hat mir meine Mutter immer gesagt, dass Fröhlichkeit das Wichtigste im Leben sei. Als ich in der Schule war, wurde ich gefragt, was ich sein will, wenn ich groß bin. Ich schrieb “fröhlich”. Sie meinten, ich hätte den Arbeitsauftrag nicht verstanden. Ich sagte ihnen, sie hätten das Leben nicht verstanden.” (John Lennon)

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